Kankelau - Geschichte
Kankelau wird erstmals 1230 unter der damaligen Ortsbezeichnung Cankelowe im Ratzeburger Zehntregister erwähnt.
Funde aus der Vor- und Frühgeschichte (Steinbeil und Kohlestellen von Kohlemeilern) weisen jedoch auf eine wesentlich frühere Besiedelung hin.
Der Name des Ortes stammt sehr wahrscheinlich von den Slawen und ist wohl das slawische Wort für die Kornrade, eine vom Aussterben bedrohte Ackerpflanze.
Die planmäßige Anlage als Rundling weist ebenfalls auf ein hohes Alter unseres Dorfes hin.
Kankelau wechselte mehrfach in seiner Geschichte die Grundbesitzer, z.B. schenkte 1278 Herzog Johann für 200 Mark das Dorf seiner Frau zum Leibgeding.
1350 brachte die Ritterfamilie der Schacks Kankelau in ihren Besitz. Die Kankelauer mussten ihren Pflichten (Abgaben und Hofdienste) bei verschiedenen Schacks in Müssen und Gülzow nachkommen.
Nachdem Andreas Gottlieb von Bernstorff 1718 Wotersen erwarb, inszenierte er innerhalb von sieben Jahren einen Ringtausch, sodass nun die Kankelauer Hufen und Katen allesamt zu Wotersen gehörten.
Wahrscheinlich 1735 wurde erstmals eine Schule in Kankelau eingerichtet.
In Kankelau lebten 1831 118 Personen, einhundert Jahre später nur noch 91 Personen und nach dem 2. Weltkrieg kurzzeitig bis zu 250 Menschen. Die Einwohnerzahlen sanken danach wieder auf z.B. 145 Personen im Jahr 1970. Viele interessante Zahlen und Daten verschiedenster Ereignisse aus Kankelaus Vergangenheit sind bekannt, wie z.B. die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr 1935.
1751 wurde die älteste erhaltene Flurkarte angefertigt. Sie diente als Bestandsaufnahme für die in den folgenden 37 Jahren durchgeführte Verkoppelung (Landumverteilung).
Die 7 Hufen und 5 Katen, die in diesen Verkoppelungsakten, sowie bereits im 17. Jahrhundert, genannt werden, sind noch heute nur wenig verändert in ihren Grundstücksgrenzen und in der Lage der Haupthäuser vorhanden.
In den Jahren 1920 bis 1949 wurden vor allem landwirtschaftliche Nebengebäude und vereinzelt Wohngebäude hinzugefügt. Ab 1950 wurden vor allem Siedlungs- und Einfamilienhäuser entlang der aus dem Dorf führenden Straßen und in Baulücken errichtet.
Aufgrund seiner geschichtlichen bis auf das Mittelalter zurückgehenden Flurstückseinteilung und seiner städtebaulichen sowie die Kulturlandschaft prägenden besonderen Bedeutung wurde der Dorfanger als siedlungsgeschichtliches Zeugnis der landwirtschaftlichen Kultur im Herzogtum Lauenburg in das Denkmalbuch eingetragen.
Er ist heute einer der letzten noch erhaltenen Dorfanger, in dem sich die gestaffelte Raumfolge dieses Siedlungstyps noch ablesen lässt: öffentlicher Platz in der Mitte des Dorfes, umliegende private Bauerngärten mit Hof- und Hausbäumen sowie private Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Die Leinweberkate, ein 1654 (+14/-3) erbautes Rauchhaus, ist ein Zweiständer-Fachwerkbauernhaus mit einem original erhaltenen doppelten Schwibbogenherd und steht ebenfalls unter Denkmalschutz.
(Sigrid Schenkenberg)
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Steinbeil
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Kornrade
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Kanonenkugeln
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FFW_von_1948
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Flurkarte_von_1751
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Luftaufnahme_von_1992
Dorfchronik
Anläßlich des 777 jährigen Jubiläums unseres Dorfs im Jahre 2007 wurde von engagierten Bürgern eine Dorfchronik erarbeitet und herausgegeben. Diese Dokumentation umfasst 112 Seiten und ist mit 150 Abbildungen farbig illustriert. Sie befasst sich mit der Geschichte des Dorfes wie z.B. der historischen Siedlungsstruktur, der Geschichte des Schulwesens, der Feuerwehr sowie Lebensbedingungen im Wandel der Zeit.
Zu beziehen ist diese Chronik zum Preis von 20€ über den Bürgermeister der Gemeinde.
Kankelau - Das Ratzeburger Zehntregister
Das Ratzeburger Zehntregister ist eine unschätzbare Quelle für die Geschichte unseres Kreises im Mittelalter. Der bei der Anlage des Registers verfolgte Zweck war, dem Bischof Gottschalk des Ratzeburger Doms eine schnelle und genaue Übersicht über die ihm zufallenden Zehnterhebungen zu geben. Der „Zehnt“ war eine ursprünglich von der Kirche geforderte Vermögensabgabe an die Bischöfe zu ihrem Lebensunterhalt. Später erhielten auch weltliche Grundherren das Recht zur Einziehung des Zehnten. Diese Abgabe erfolgte bis zum 13. Jahrhundert in Naturalien und danach auch in Geld.
Das Ratzeburger Zehntregister aus dem Jahre 1230 wird durch eine Einleitung eröffnet, die die Grundlagen des Zehntregisters im Ratzeburger Bistum mitteilt. Es folgt, nach Ländern und innerhalb dieser nach Kirchspielen geordnet, das eigentliche Register: die Aufführung der einzelnen Dörfer (insgesamt etwa 500) mit ihrer Hufenzahl und dem Nachweis über den Verbleib des dem Bischof zugehörigen Zehntanteils.
Schreibfehler im Zehntregister sind selten. Aber als eine der wenigen Ausnahmen wurde Cankelowe im Kirchspiel Siebeneichen mit Wankelowe (heute Wangelau) im Kirchspiel Lütau verwechselt. Die Hufenzahl V, die bei Wankelowe vermerkt ist, bezieht sich deshalb auf unser Dorf Kankelau. Das Zehntregister belegt u.a. auch für Kankelau die Einführung des deutschen Wirtschafts- und Rechtsbegriffes der Hufe. Kankelau war nach Hufen (Vollbauernstellen) vermessen, 5 an der Zahl, und die Bewohner lebten nach deutschem Recht, obwohl sie im Zehntregister als slawisch bezeichnet werden.
(Sigrid Schenkenberg)
Kankelau - Der Rundling
Siedlungen, die in ihrer Anlage eine so außerordentliche Regelmäßigkeit besitzen wie der Rundling (auch Sackdorf genannt), weisen darauf hin, dass sich an einem bisher oder zwischenzeitlich unbebauten Ort gleichzeitig eine größere Anzahl von Siedlern niedergelassen und nach einem bestimmten Plan ein Dorf gebaut haben.
Die Rundlinge sind durch ihre abseitige Lage auf Niederungsrändern gekennzeichnet und gestatten daher ursprünglich nur einen Eingang. Bei der Anlage scheint der Gedanke des abgeschlossenen Dorfplatzes bestimmend gewesen zu sein. Die Gründung Kankelaus kann der Kolonisationszeit zugeschrieben werden. Ursprünglich führte nur eine Zufahrt auf den von Gehöften kreisförmig umschlossenen Brink. Dieser älteste Dorfeingang ist der westliche aus Richtung Elmenhorst.
(Sigrid Schenkenberg)
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Kankelau - Karte v. 1878
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Kankelau - Karte v. 1751
Kankelau - Abgaben und Hofdienste
Wenn einem Bauern eine neue Hofstelle zugewiesen wurde, bekam er einen Hausbrief, in dem seine Rechte und Pflichten genau festgelegt waren. Dieser wurde von Generation zu Generation weitergegeben.
Die Tauschverträge der Bernstorffs aus den Jahren 1718-1725 enthalten ganz genaue Angaben über die Höhe der Abgaben und den Hofdienst. Einige Beispiele dazu:
Die Heins’sche Bauernvogtstelle in Kankelau nach Gülzow gehörig, „Dienet à Woche 2 Spann- und 2 Handttage, in der Saatzeit 3 Spanntage und in der Ernte 8 Wochen täglich oder hat bisher entrichtet an jährlichem Dienstgeld 18 Reichsthaler. Ueberdem tut er 4 Reisen, pflügt den Herbst 6 Tage, mähet und bindet in der Ernte 11 Tage. An Pachtgeld 1 Reichsthaler, 18 Schilling, Krug Heuer 2 Rthlr. oder falls solche nicht beliebig, ist er obligieret (verpflichtet), das Bier vom Hofe zu nehmen. Ein Schwein oder 1 Thaler, 18 Schillinge, 2 Gänse oder 20 Sch., 2 Hühner oder 6 Sch., 20 Eier oder 4 Sch., 1 Topf Flachs oder 12 Sch., 2 Säcke rauhen Hafer a 32 Sch. = 1 Thaler, 16 Sch. Spinnet 6 Pfund Heede oder gibt 12 Sch.“
Jochim Jacobs, ein Kätner in Kankelau nach Gülzow gehörig, „Dienet 2 Handttage, in der Ernte 8 Wochen täglich oder entrichtet Dienstgeld 4 Rthlr. 24 Sch. Ueberdem gehet er Reisen, mähet und bindet 2 Tage. Gibt Pachtgeld 4 Sch., 1 Huhn oder 3 Sch., spinnet 2 Pfund Heede oder 4 Sch.
Von den ehemaligen Müssener Untertanen hatten zu leisten:
„Stephan Lindemann in Kankelau, Vollhufner: Pacht und Futtergeld 1 Rthlr. 36 Sch., Pachthafer 2 Sack, Hüner 3 Stück, Eier 20 Stück, Flachs 42 Risten. Spinnet Hede 12 Pfund und gibt ein Schneidelschwein. Dienet ordinäir wöchentlich 2 Tage mit dem Spanne und 1 Tag mit der Hand, in der Saatzeit aber wöchentlich 3 Spanntage. Und in der Ernte ist er schuldig 9 Wochen täglich und solange der Roggen gemäht wird nebst einem Binder den Hofdienst zu verrichten. Und weil er ¼ Hufe mehr als die anderen hat, ist er schuldig, so oft gejagdt wird, das Ablager zu übernehmen“ (Bewirtung der Jagdgesellschaft)
Kankelau - Die Dorfschule
Das Schulwesen im Lauenburgischen ist unter Leitung und Verantwortung der Kirche aufgebaut worden. In der lauenburgischen Kirchenordnung von 1585 heißt es bezüglich der Dorfschulen wörtlich:
„Auff den Dörffern sollen gleichfalls Knäblein und Mägdlein bey den Cüster oder Pastoren und ihren Frawen zur Lehre gehalten werden, doch also auch dessgleichen die Knaben besonders gelassen werden, und in schreiben, lesen, nehen, Catechismo beten lernen und dergleichen, von Jugend auff gehalten werden. Und soll allen Pastoren hie mit ernstlich auferlegt seyn, die Leute öffentlich und persone weis, hie zu mit Ernste zu ermahnen, dass sie ihre Kinder nicht länger, wie leider bissher geschehen, so Unchristlicherweise, wie das unvernünftige Viehe aufwachsen lassen.“
Doch ehe es in Kankelau soweit kam, wie in der Kirchenordnung vorgeschrieben, hatte es noch gute Weile. Ein geordnetes Schulwesen fand bei der Bevölkerung wenig Zuspruch, da es als nicht notwendig, sogar als überflüssig erachtet wurde. In der damaligen Zeit hatte fast niemand ein Interesse daran, lesen, schreiben und rechnen zu lernen. So ist es nicht verwunderlich, dass erst im Jahre 1747 erstmals in einem Visitationsprotokoll die Kankelauer Schule erwähnt wird. In einem Protokoll von 1753 heißt es „Schulmeister in Kankelau ist Nicolaus Stamer, vor 18 Jahren angenommen.“
1735 dürfte somit das Gründungsjahr der Kankelauer Schule sein.
1777 heißt es in einem Schreiben des Verwalters Hille von Wotersen: „Nach Ableben des Kankelauer Schullehrers Stamer wird Benedix Friedrich Spiess bestellet, 40 Jahre alt, aus Sülfeld gebürtig, Bedienter bei der Geheimrätin von Buchwald gewesen und erhielt, da er etwas verwachsen, eine jährliche Pension von 40 Talern. Der Kankelauer Schulmeisterdienst ist schlecht. Das Schulgeld für etliche 20 Kinder mehr oder weniger sind jährlich zu rechnen 10 Taler. Der Garten, Feuerung und freie Wohnung und Weide für 1 Kuh ist anzuschlagen auf 10 Taler.“
Schon 1785 starb Spiess. Die Kankelauer Dorfschaft wurde daraufhin nach Wotersen beschieden und ihr der neue Schulmeister Johann Niclaus Fromm vorgestellt. Er wurde mit dem Versprechen angenommen, dass er erhalten solle, was gemäß Schulordnung rechtens sei. Die Dorfschaft weigerte sich jedoch, an den Schulkaten eine Stube anzubauen.
1789: „Der Schulmeister zu Kankelau hat 11 Kinder. Sie lernen weder Rechnen noch Schreiben.“ Dies wurde der Aufmerksamkeit des Pastors anempfohlen.
1797 starb Fromm. Sein Nachfolger wurde Johann Joachim Klein. Von ihm heißt es im Visitationsprotokoll 1829: „Es ist nur der gute Wille zu loben...“ Er starb noch im gleichen Jahr.
1835 wurde das Stelleneinkommen des neuen Kankelauer Schulmeisters Karl Heinrich August Schellhammer mit 40 Talern bei 40 schulpflichtigen Kindern veranschlagt.
1856 beklagte sich Schullehrer Klein, dass er kein Futter für seine Kuh habe. 1865 sollte er planmäßig pensioniert werden, war es jedoch im Jahre 1868 noch immer nicht. Die Urteile über die Kankelauer Schule lauteten in diesen Jahren: „...kümmerlich und schlecht...“
Seit 1870 existiert eine Schulchronik in Kankelau; lediglich mit einer Unterbrechung von 1935 bis 1945. Geführt wurde sie von den jeweiligen Schullehrern. Am 4. September 1870 wurde der Lehrer Stephan durch das gräfliche Schulpatronat in Gegenwart der beiden Kankelauer Schulvorstände Bauernvogt Heins und Hufner Lindemann in sein Amt eingeführt. Er legte eine Probe seiner Lehrweise ab und lernte den gegenwärtigen Stand der Schule kennen. „Nur wenige Kinder wussten die 5 Hauptstücke und noch wenigere das Einmaleins.“
Auszug aus der Schulchronik 1926: „Während des ganzen Winterhalbjahres wurden nur 2 Knaben unterrichtet. Der Unterricht wurde in einem Wohnzimmer zwecks Feuerungsersparnis abgehalten.“
1934 bis1946 fand der Schulunterricht bis zur Wiederbesetzung der Stelle in Talkau statt.
1959 endet die Kankelauer Schulchronik mit der Pensionierung von Hauptlehrer Ernst Klein.
(Sigrid Schenkenberg)
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Klassenfoto_mit_Lehrer
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Einband_der_Schulchronik
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Schulentlassung_1934
Kankelau - Zahlen und Daten zu Kankelaus Vergangenheit
1513 – 1525 mussten die Kankelauer Hufner zwischen zwölf Schilling und einem Gulden (entspricht etwa 24 Schilling) für die Mitgift zweier Töchter des Herzog Magnus abgeben, die sog. Prinzessinnensteuer.
1660 gab es in Kankelau zwei Krüge; einen zu Müssen gehörig und einen zu Gülzow gehörig.
1661 hieß es im ersten Visitationsprotokoll nach dem 30-jährigen Krieg: „Kankelau sieben Hufe, alle besetzt und fünf Katen“.
1701 wurde ein bis in die heutige Zeit erhaltenes Inventarium der zum Gut Müssen gehörigen 4 Hufen und 3 Katen geschrieben.
1862 hatte Kankelau 166 Einwohner; 31 Familien lebten in 21 Häusern. 36 Pferde, 153 Rindviecher, 191 Schafe, 37 Schweine und 80 Bienenvölker gehörten dazu.
1866 erfolgte die Briefzustellung ab sofort täglich, außer sonntags.
1871 gab es in Kankelau je einen Schmied, Dachdecker, Weber, Schneider, Schuhmacher, Steinhauer und Tagelöhner.
1905 gab es 19 bewohnte und 4 unbewohnte Wohnhäuser.
1910 trat die erste Gemeindevertretung zusammen.
1933 beschloss die Gemeindevertretung die Aufstellung eines Denkmals in einem Teil des Schulgartens. Im Mai des Jahres zogen 200 Mitglieder der SA aus der Umgebung mit Musik ins Dorf ein.
(Sigrid Schenkenberg)
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Einwohnerzahlen
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Topographie_v._1908
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Denkmalseinweihung_1933
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Topographie_v._1855